Wer an italienische Altstädte denkt, hat oft Florenz, Venedig oder Verona im Sinn. Doch in der Lombardei versteckt sich ein Juwel, das oft übersehen wird, obwohl es buchstäblich über den Dingen steht: die Altstadt von Bergamo. Die sogenannte Città Alta ist nicht einfach nur ein historisches Viertel, sie ist eine vollständig erhaltene Festung auf einem Hügel, die Besucher sofort in eine andere Zeit katapultiert.
Ein Ausflug hierher ist wie ein Spaziergang durch eine Filmkulisse – nur dass der dampfende Espresso und der Duft von frischer Polenta absolut echt sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Anreise: Die Altstadt ist autofrei (ZTL). Am besten parkt man in der Unterstadt und nimmt die historische Standseilbahn (Funicolare).
- Architektur: Die Stadt ist von massiven venezianischen Mauern umgeben (UNESCO-Welterbe), die komplett begehbar sind.
- Highlight: Der Piazza Vecchia gilt als einer der harmonischsten Plätze Italiens.
- Genuss: Die Altstadt ist die Heimat des Stracciatella-Eises und deftiger Hausmannskost.
Der Weg nach oben: Funicolare statt Fußmarsch
Der Zauber der Altstadt beginnt bereits mit der Anreise. Zwar könnte man die steilen Serpentinen zu Fuß erklimmen, doch der stilvolle Weg führt über die Funicolare Città Alta. Die Standseilbahn aus dem Jahr 1887 verbindet die moderne Unterstadt mit dem historischen Kern. Während die Kabine die Steigung überwindet, öffnet sich der Blick über die Dächer der Lombardei – ein Panorama, das mit jedem Meter spektakulärer wird.
Ein Spaziergang auf den venezianischen Mauern
Oben angekommen, steht man nicht sofort im Gassengewirr, sondern oft erst einmal vor massiven Steinen. Die Altstadt wird von einer über fünf Kilometer langen venezianischen Stadtmauer (Mura Venete) umschlossen.
Anders als in vielen anderen Städten ist diese Mauer keine Ruine, sondern eine belebte Promenade. Ein Spaziergang hier bietet zur einen Seite den Blick auf prächtige Palazzi und zur anderen Seite eine unendliche Weitsicht in die Po-Ebene. Besonders zum Sonnenuntergang, wenn die Laternen angehen, ist dies der romantischste Ort der Stadt.
Das Wohnzimmer der Stadt: Piazza Vecchia
Folgt man der Hauptgasse Via Gombito, landet man unweigerlich auf der Piazza Vecchia. Dieser Platz ist das Herzstück der Altstadt und ein architektonisches Meisterwerk. Er wird eingerahmt vom mittelalterlichen Palazzo della Ragione und dem weißen Palazzo Nuovo.
Mitten auf dem Platz plätschert der Contarini-Brunnen, und in den Cafés ringsherum lässt sich das Treiben beobachten. Wer schwindelfrei ist, steigt auf den Campanone (Stadtturm). Der Aufzug oder die Treppen führen zur größten Glocke der Lombardei. Der 360-Grad-Blick von dort oben über die Terrakotta-Dächer bis hin zu den Alpen ist unvergesslich.
Sakrale Pracht: Santa Maria Maggiore
Direkt hinter dem Piazza Vecchia versteckt sich der kirchliche Schatz Bergamos. Die Basilika Santa Maria Maggiore wirkt von außen fast unscheinbar romanisch. Doch wer durch das Portal tritt, wird von barockem Prunk fast erschlagen.
Goldene Stuckarbeiten, riesige Wandteppiche und aufwendige Fresken bedecken jeden Zentimeter des Innenraums. Es ist ein faszinierender Kontrast zur eher strengen Architektur der restlichen Altstadt. Direkt daneben liegt die Cappella Colleoni, deren bunte Marmorfassade wie ein Schmuckkästchen wirkt.
Kulinarischer Abschluss
Kein Besuch in Bergamo ist komplett ohne die lokale Küche. Die Altstadt ist bekannt für ihre deftigen Gerichte. Auf den Speisekarten dominiert Polenta Taragna (Maisgrieß mit viel geschmolzenem Käse und Buchweizen) und Casoncelli (gefüllte Pasta).
Und zum Dessert? Ein Besuch in der Pasticceria La Marianna am Colle Aperto ist Pflicht. Hier wurde 1961 das Stracciatella-Eis erfunden. Es dort zu essen, wo es kreiert wurde, ist der perfekte süße Abschluss für einen Tag in Bergamos Altstadt.
Fazit
Bergamos Altstadt ist der Beweis, dass man nicht weit reisen muss, um das perfekte Italien-Gefühl zu finden. Sie ist kompakt, wunderschön erhalten und bietet für Kulturinteressierte ebenso viel wie für Genießer. Wer einmal durch die Gassen der Città Alta geschlendert ist, wird den Flughafen unten im Tal nicht mehr nur als Durchgangsstation sehen.
